Das kleine und große Blutbild beim Pferd – Teil 1

Teil 1 – Was ist ein Blutbild und welche Unterschiede gibt es:

Es gibt Krankheitsbilder, bei denen man sich dazu entschließen sollte, ein Blutbild zu machen. Hierzu zählt vor allem eine Anhäufung unbestimmter Symptome, die zu keiner genauen Diagnose zu führen sind. Das Blutbild gibt wichtige Hinweise auf die jeweilige Konzentration der verschiedenen Komponenten des Blutes. Häufig werden dadurch Mängel oder Überschüsse bestimmter Mineralien wie Kupfer, Zink, Selen oder Mangan entdeckt. Dem Grund der Erkrankung kann somit auf die Spur gekommen und der Heilungsprozess beschleunigt werden. Allerdings treten hier schnell einige Fragen auf: Was ist überhaupt ein Blutbild? Und was unterscheidet das kleine vom großen Blutbild?

 

Was ist ein Blutbild?

Ein Blutbild ist eine standardisierte Zusammenstellung wichtiger Befunde aus einer Blutprobe. Durch sie bekommt man einen Überblick über die im Blut enthaltenen Bestandteile. Bei der tierärztlichen Untersuchung hat sie eine immense Bedeutung, da sie wichtige Hinweise auf die Krankheitsursache geben kann. Allerdings ist stets zu beachten, dass es sich beim Blutbild um eine ergänzende oder präventive Maßnahme handelt. Sie ersetzt folglich keineswegs die eigentliche veterinäre Untersuchung, sodass das Abtasten und Abhorchen durch den Tierarzt weiterhin erfolgen muss. Der Tierarzt entnimmt dem Pferd von der Halsvene 5-10 ml Blut. Die Proben werden dann in Blutröhrchen gefüllt. In diesen Rührchen wird das Blut mit Zusatzmitteln gemischt, ein Beispiel hierfür ist der Geringungshemmer EDTA. Für das Blutbild selbst wird dann EDTA-Blut untersucht. Beim kleinen Blutbild kann das Blut meistens in der Praxis des jeweiligen Tierarztes untersucht werden, sodass die Ergebnisse bereits am nächsten Tag vorliegen. Beim großen Blutbild hingegen muss die Probe in ein Speziallabor geschickt werden. Hier wird mit einem speziellen Serum das Blut untersucht und in einen Vergleich zum Normalwert gesetzt. Durch die analysierten Abweichungen vom Normalwert kann der Tierarzt dann auf eine Erkrankung schließen. So ist beispielsweise ein niedriger Wert an Erythrozyten ein Hinweis für eine innere Blutung- eine Erkrankung, die man ohne die Untersuchung womöglich erst zu spät erkennen würde.

Was muss bei der Deutung des Blutbildes vom Pferd beachtet werden?

Um das Blutbild richtig deuten zu können, sind allerdings einige wichtige Details zu beachten. Ein Grundproblem besteht in der Festlegung des Normalwertes. Speziallabore legen diesen individuell fest, sodass ein einziger Wert in einem Labor als erhöht und in einem anderen als normal gedeutet werden kann. Es benötigt daher vor allem einen erfahrenen Tierarzt, der sich mit den Normalwerten der unterschiedlichen Labore auskennt und die gemessenen Werte richtig einordnen kann. Zudem muss stets der jeweilige körperliche, sowie psychische Zustand des Pferdes bei der Auswertung der einzelnen Daten berücksichtigt werden. Bestimmte Inhaltsstoffe des Blutes sind nicht nur abhängig von der jeweiligen Rasse und dem Alter des Pferdes, sondern auch von der jeweiligen Tageszeit, der körperlichen Belastung und  sonstigen eingenommenen Medikamenten. Bei Stuten muss zudem beachtet werden, ob sie trächtig oder Milch gebend sind.

Wenn beim eigenen Pferd noch nie ein Blutbild gemacht wurde, empfiehlt es sich ein großes Blutbild zu machen. So hat man einen Überblick über den Gesundheitszustand des Pferdes und verfügt zudem über Werte, die man bei einer späteren Erkrankung zum Vergleich heran ziehen kann.

Generell ist stets zu beachten, dass ein einzelner erhöhter Wert nicht isoliert, sondern immer im Gesamtkontext gesehen werden muss. So muss bei der Deutung des Blutbildes berücksichtigt werden, dass manche Stoffe miteinander reagieren oder sich auch gegenseitig aufheben.

Warum ein Blutbild beim Pferd machen?

Ein Blutbild wird dann gemacht, wenn ein Pferd unbestimmte Symptome aufweist, die zu keiner eindeutigen Diagnose zu führen sind. In diesem Fall kann das Blutbild wichtige Hinweise auf die Krankheitsursache geben und damit die richtige Behandlung einleiten. Beispiele für solch einschleichende Symptome sind Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Mattheit, schneller Schweißausbruch und Leistungsschwäche. Auch bei deutlicheren Symptomen wie immer wieder kehrendem Durchfall, Hauterkrankungen oder auch Allergien sorgt das Blutbild meist für Klarheit. Wenn der Tierarzt bereits einen Verdacht hat, kann das Blut nur auf bestimmte Komponenten untersucht werden.

Manch Pferdebesitzer lässt jedes Jahr ein Blutbild von seinem Pferd erstellen, um dadurch eventuelle Mängel oder Überschüsse bestimmter Stoffe aufzudecken. In diesem Fall dient das Blutbild als präventive Maßnahme. Auch bei Leistungspferden wird häufig ein Blutbild vor und nach der jeweiligen Trainingseinheit gemacht, um dadurch die Belastbarkeit des Pferdes zu kontrollieren.

Was ist der Unterschied zwischen einem kleinen und einem großen Blutbild?

Das kleine Blutbild (auch einfaches oder rotes Blutbild) erfasst die Hauptkomponenten des Blutes. Hierzu zählen beispielsweise die bekanntesten Bestandteile wie rote (Erythrozyten) oder weiße (Leukozyten) Blutkörperchen, wie auch dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Generell kann aus dem kleinen Blutbild abgelesen werden, ob das Pferd grundlegend gesund oder krank ist.

Das große Blutbild (auch weißes Blutbild) umfasst alle Komponenten des kleinen Blutbildes und zudem noch einige „Extras“. In der Fachsprache bezeichnet man diese „Extras“ als klinische Chemie. Es umfasst weitere bedeutende Inhaltsstoffe, wie beispielsweise bestimmte Mineralien wie Zink, Kupfer, Selen oder Mangan. Alle Untersuchungen in der klinischen Chemie werden mit Hilfe eines bestimmten Serums durchgeführt.

Surftipp:

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetz nicht die qualifizierte Beratung durch einen ausgebildeten Tierarzt! Bei Problemen mit der Gesundheit des Pferdes sollte deshalb immer eine Tierarzt hinzugezogen werden!

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