Rettet die Brumbys – ein Plädoyer für die australischen Wildpferde

Wir selbst bezeichnen uns immer als Pferdefreunde – doch sind wir manchmal nicht ein wenig zu viel nur mit unseren domestizierten Pferden beschäftigt? Diese leben ein sorgenfreies Leben in ihrer heilen Welt der Pferdeställe, in der sie sich gar nicht erst die Frage stellen müssen, ob ihnen bei einer kleinen Blessur geholfen wird oder nicht. Zweifelsohne ist es sehr erfreulich, wenn wir unserem guten Freund Pferd ein so schönes Leben ermöglichen können- doch ist es auch wichtig mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und dadurch festzustellen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.

 

An dieser Stelle soll es ausnahmsweise einmal nicht über die bedrohten Wildpferde Amerikas gehen, die Problematik rund um die Mustangs ist bereits genug im Mittelpunkt der allgemeinen Diskussion und Aufmerksamkeit. Im folgenden soll es nun einmal um die Wildpferde Australiens gehen: die Brumbys. Mindestens ebenso bedroht wie die amerikanischen Wildtiere, kämpfen Tierschützer gegen das Aussterben dieser einzigartigen Pferderasse…

Australische Wildpferde – Symbol ungestörter Freiheit und extremer Widerstandskraft

Vielleicht ist es uns gar nicht so bewusst – doch neben einem echten Känguruh können uns vor allem Wildpferde im australischen Outback begegnen. Die Brumbys sind hauptsächlich im noch wenig besiedelten Norden des Kontinents angesiedelt, sodass man vor allem in Queensland und Northern Australia mit ihnen rechnen sollte. Diese Pferde zeichnen sich durch ganz besondere Charakteristika aus: Von jeher waren sie auf sich allein gestellt und haben so gelernt ganz alleine auf sich aufzupassen. Das heißt nicht nur, dass vor allem das Leben in einer Herde und damit in einer stabilen sozialen Struktur mit festen Regeln dafür sorgt, dass sich die Pferde stets untereinander helfen. Unter Selbsthilfe versteht sich ebenso noch ein zweiter, mindestens genau so wichtiger Punkt: Sie haben gelernt sich kontinuierlich fortzupflanzen. DNA-Tests haben hierbei rausbekommen, dass sich die Brumbys in diesem Punkt sogar intelligenter anstellen, als so mancher Pferdezüchter aus der modernen Vollblutzüchtung: Die Fortpflanzung durch Inzucht ist bei Vollblütern weitaus höher ausgebreitet als bei den auf sich allein gestellten Wildpferden. Dies ist allerdings nur eines der Argumente dafür, warum man diesen Pferden eine ganz besondere Intelligenz zuspricht. Als Wildpferd in einer Welt voll mit vom Kapitalismus geprägten Menschen zu überleben muss gelernt sein. Es erfordert eine echte Spitzfindigkeit und ausgeprägte Wahrnehmung um sich in einer immer wieder verändernen Umgebung zurecht zu finden. In ihren Augen sind sowohl ihre extreme Willenskraft als auch ihr eigentümliches Temperament zu erkennen und auch ihre Körpersprache zeugt von ständiger Aufgewecktheit und Kraft. siehe hierfür das Video… Daher gellten diese Pferde als besonders wendig, schnell und wild, was auch durch ihren fehlerfreien Körperbau, die starken Knochen als auch ihre sehr robusten Hufe verdeutlicht wird.

Die Brumbys in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Die Brumbys sind zweifelsohne ein vitaler und lebendiger Teil australischer Geschichte. Sie kamen mit den ersten Siedlern, welche 1788 die ersten sieben Pferde auf den Kontinent brachten. Diese Stuten und Hengste waren besonders große Lebenskünstler: Sie mussten nicht nur die Antrengungen der harten und langen Überfahrt ertragen, sondern sich auch den extremen Wetterschwankungen auf dem australischen Festland anpassen: So lebten sie im Sommer in trockenster Hitze und im Winter in klirrenster Kälte. Frei nach dem Motto “Survival of the fittest” bestanden so nur die robustesten Pferde diese Extrembedingungen.

Ihren Namen verdanken die Wildpferde wahrscheinlich Sergeant James Brumby. Dieser war selbst einer der ersten Siedler des neuen Kontinents und überließ seine Pferde einfach dem australischen Busch, als er sich nach Tasmanien absetzte. Vom puren Lebenswillen geführt lernten die Pferde sich selbst zu versorgen und wurden so immer mehr für ihre Ausdauer und Nervenstärke bekannt. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde hauptsächlich diese Pferderasse im 1. und 2. Weltkrieg eingesetzt, so dass viele Brumbys im Krieg ihr Leben ließen.

Nun herrscht kein Krieg mehr, und doch sind die Brumbys in der Gegenwart bedrohter als je. Ungeschützt von jeglicher australischen Regierung sind die Brumbys regelrecht märtyrischen Jägern ausgesetzt, die die Pferde im Gnadenfall gleich erschießen, im schlimmeren Fall jedoch erst noch unter absolut unwürdigen Bedingungen zu Schlachthöfen abtransportieren.
Eine genaue Anzahl der Pferde ist natürlich nicht möglich, doch gibt es im Moment noch mehrere Tausend frei lebende Brumbys – Tendenz stark abnehmend. So werden die Wildpferde wahrhaftig gejagt und sogar aus der Luft von Helicoptern abgeschossen und blicken dem Tod beinahe jedem Tag ins Auge. Ein friedliches Leben wie noch vor hundert Jahren ist absolut ausgeschlossen. Die australische Regierung fühlt sich hierfür gänzlich unverantwortlich und greift keineswegs in das Geschehen ein. Während also diese einzigartige Pferderasse immer mehr vom Aussterben bedroht ist, gibt es im Prinzip nur wenige, die sich diesem Problem stellen. Neben mehreren kleinen Pferdehilforganisationen hat es sich vor allem die Hilfsorganisation “Save The Brumbys Inc” zum Programm gemacht, die Brumbys zu retten.

Für die Zukunft sieht es für die Brumbys trotz ihrer großen Bedeutung für die Pferde aller Welt schwarz aus. Bislang war vor allem der Norden Australiens weitesgehend unbevölkert, doch sind nun auch dort immer dichter werdende Menschensiedlungen nicht aufzuhalten. Das freie Land der Brumbys wird immer kleiner und sie haben immer weniger Platz um sich in Sicherheit zu bringen. Dabei wären sie auch für die Pferde aus unseren Reitställen wichtig: Da unsere Pferde immer verwöhnter werden und den echten Freiheitssinn der Wildpferde wenn auch ungewollt verlieren, könnten Kreuzungen mit den australischen Brumbys den domestizierten Tieren wieder neues Temperament, Willensstärke und Ausdauer bringen. Würde es den Jägern also tatsächlich gelingen die Brumbys zum Aussterben zu bringen, würde mit ihnen wichtiges Erbgut verloren gehen, was so sicherlich nicht mehr wieder zu bekommen wäre.

Save the Brumbys

Die Hilfsorganisation “Save The Brumbys Inc” stellt hierbei noch einen kleinen Hoffnungsshimmer im dunklen Kapitel der derzeitigen Brumbygeschichte dar. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht die Wildpferde vor dem Aussterben zu schützen und kämpft dafür mit allen Mitteln. In erster Linie prangert sie die Regierung für die katastrophale Situation an: Anstelle sich ein Beispiel an den USA zu nehmen, die immerhin 30 Jahre lang ein Gesetz zum Schutz der Brumbys hatten, würde die australische Regierung sich das Problem der aussterbenden Brumbys nicht zum nationalen Problem machen und daher keine Notwendigkeit für eine Kontrolle der Brumbybestände erkennen.
Die Organisation hat sich daher folgendes zum Ziel genommen:

  • Ein humanes und kontrolliertes Management der Brumbybestände
  • Abschaffung des unkontrollierten Abschießens und des Schlachtens
  • Aufbewahrung der einzigartigen Gene dieser Pferderrasse für die folgenden Pferdegenerationen
  • Etablierung von Schutzgebieten zur Erhaltung und Kontrolle der Brumbys
  • Förderung des Adoptionprogrammes
  • Juristisch verankerter Schutz zur Erhaltung der Brumbys

Um diese Ziele zu verwirklichen, hat “Save The Brumbys Inc” bislang mehrere Projekte zum Schutz der Brumbys eingeführt. Die erste Maßnahme war die Etablierung von Schutzgebieten, in denen die Brumbys sorgenfrei leben können. So entstand 2007 das NEBS (New England Brumby Sanctuary) in New England, New South Wales. In diesem unberührten Stück Land finden die Brumbys ihre Ruhe und können ungestört in ihren Herden leben. Zudem werden die geeignesten Stuten und Hengste ausgesucht, um so eine natürliche Fortpflanzung der Brumbys zu garantieren. Neben diesem großen Schutzgebiet gibt es noch ein weiteres kleineres in Bellingen, New South Wales. Beide Schutzgebiete sind für Touristen geöffnet und ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. Einen Vorgeschmack gibt es hier.

Neben den Schutzgebieten hat die Pferdehilfsorganisation des weiteren das Programm der Brumby-Adoption eingeführt. So können Pferdefreunde, nach ausgiebiger Eignungsprüfung, ein Brumby adoptieren und damit für den Erhalt der Pferderasse sorgen. Bislang konnten die Pferderetter bereits vielen Brumbys helfen wie auch in einigen, besonders rührenden Geschichten berichtet wird. Allerdings sind sie, wie jede Hilfsorganisation, auf Hilfe angewiesen und dankbar für jede Spende.

Helfen auch Sie die wilden Pferde zu retten und sie vor dem Aussterben zu schützen! Denn schließlich geht es um den Erhalt einer einzigartigen Pferderasse und geht damit uns alle Pferdefreunde an.


BRUMBY’S RUN by A.B. “Banjo” Paterson

It lies beyond the Western Pines
Towards the sinking sun,
And not a survey mark defines
The bounds of “Brumby’s Run”.

On odds and ends of mountain land,
On tracks of range and rock
Where no one else can make a stand,
Old Brumby rears his stock.

A wild, unhandled lot they are
Of every shape and breed.
They venture out ‘neath moon and star
Along the flats to feed;

But when the dawn makes pink the sky
And steals along the plain,
The Brumby horses turn and fly
Towards the hills again

The traveller by the mountain-track
May hear their hoof-beats pass,
And catch a glimpse of brown and black
Dim shadows on the grass.

The eager stockhorse pricks his ears
And lifts his head on high
In wild excitement when he hears
The Brumby mob go by.

Old Brumby asks no price or fee
O’er all his wide domains:
The man who yards his stock is free
To keep them for his pains.

So, off to scour the mountain-side
With eager eyes aglow,
To strongholds where the wild mobs hide
The gully-rakers go.

A rush of horses through the trees,
A red shirt making play;
A sound of stockwhips on the breeze,
They vanish far away!

. . . . .

Ah, me! before our day is done
We long with bitter pain
To ride once more on Brumby’s Run
And yard his mob again.

 

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