Jungs und Pferde- Männer im Reitstall

Für Jungs scheint das Glück der Erde nicht auf dem Rücken der Pferde zu liegen- eher wohl auf dem Fussballplatz oder im Formel-I-Wagen. Doch sind nicht viele Spitzentunierreiter Männer?! Hier scheint es einen Wiederspruch zu geben.

Frauen dominieren den Pferdestall…

Mädchen und Frauen wohin er blickt! Schon am ersten Tag, an dem der Junge den Stall betritt, trifft er auf eine Überzahl von Mädchen, die sich über seine ungeschickten Bemühungen kaputtlachen. Da wird gebürstet, geputzt, gestreichelt- eben der weibliche Brut- und Pflegetrieb. Und dann steht in der Mitte der Reitbahn schon wieder eine Frau, denn auch bei den Reitlehrern überwiegt inzwischen das weibliche Geschlecht. Hinzu kommt, dass die Mädchen kichernd die ungeschickten Reitversuche des Jungen kommentieren – für viele Jungen ein unerträgliches Szenario.

Und dann die Kumpels! Wer lieber in den Reitstall geht als zum Bolzplatz, wird schnell als Weichei abgestempelt. …und die uncoolen Klamotten!!
Auch sieht man vorwiegend Mädchen mit ihren Pferden schmusen. Auch hier kommt gleich die Frage auf: wie sieht es aus, wenn ein Junge seinem Pferd einen Abschiedsschmatzer gibt?

Im Alter von drei bis sechs Jahren haben Jungen und Mädchen noch die gleiche Herangehensweise an die Pferde/Ponys, Beginnt für die Kinder ab dem sechsten Lebensjahr die Schulkarriere trennen sich die Wege: die Mädchen bleiben meist dabei und die Jungen wollen lieber Fußball spielen oder Rennfahrer werden.
Es gibt kein Patentrezept, wie der Pferdesport sein muss, damit auch Jungs daran Spaß haben. Was jedoch wirklich wichtig ist, um es dem Jungen im Pferdestall leichter zu machen und ihn im Stall zu integrieren, ist ihm das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden. Machen Sie es sich nützlich eine so starke Hand im Stall zu haben und tun Sie somit sich und dem Jungen einen Gefallen: er bekommt das Gefühl gebraucht zu sein und eine verantwortungsvolle Position im Stall zu haben- und Sie haben eine neue Hilfskraft für schwerere Arbeiten gefunden.

Westernreiten, Renn- und Fahrsport: männliche Domänen

Beim Westerneiten allerdings ist das Problem des fehlenden männlichen Nachwuchses noch wesentlich geringer, was wohl daran liegt, dass Westernreiten einfach “cooler” ist und sich auf die Arbeitsreitweise der Cowboys bezieht. Auch beim Fahrsport überwiegt noch das männliche Geschlecht. Das Fahren erfüllt viele Kriterien, die von der männlichen Jugend geschätzt werden: Geschwindigkeit, Aktion, Rasanz, Abenteuer und Gruppenerlebnis.

Tipps für Jungs im Reitstall

Reiten soll für alle zugänglich sein, egal ob männlich oder weiblich. Vielleicht helfen einige Tipps um das Reiten und den Umgang mit dem Partner Pferd für Jungen reizvoller zu gestalten:

  • Damit sie sich nicht ständig mit Mädchen vergleichen müssen, sollten  alle Jungs gemeinsam in einer Reitgruppen unterrichtet werden.
  • Jungs brauchen männliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Hierfür reicht ein einfacher Blick in den Spitzenreitsport und schon wird deutlich: Männer dominieren hier das Reiten!
  • Die Ausbildung sollte vielseitiger und mit viel “action” verbunden sein. Dadurch wird es für die Jungs interessanter und sie können auch bei ihren Freunden spektakulärere Geschichten erzählen- und ihre Freunde dadurch vielleicht sogar auch vom Reitsport überzeugen?!
  • Jeder Reitstall brauch einen Mann und seine starke Hand: aufgrund ihrer Kraft können sie oft Arbeiten verrichten, die für Frauen zu schwer wäre. Daher: integrieren Sie die Jungs in das Stallleben, geben Sie ihm Aufgaben, die nur er verrichten kann, sodass er das Gefühl bekommt wirklich gebraucht zu sein und eine wichtigte Funktion im Stall zu haben. Dadurch wächst sein Selbstvertrauen- und wertgefühl, wodurch er zum einen gerne in den Pferdestall geht und zum anderen wichtige Schritte in seiner persönlichen Entwicklung machen kann.
  • Eine nicht unwichtige Rolle spielt auch die Ausstrahlung und die Ideenvielfalt der einzelnen Ausbilderpersönlichkeiten. So wie jeder Jugendlicher muss die Kreativität erst gefördert werden, damit sie richtig entdeckt werden kann.
  • Statistisch gesehen: Ein Junge und neun Mädchen – so sieht es in deutschen Reitställen aus.

Grundsätzlich ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass der Pferdestall einen Ort darstellt, in dem viele Jugendliche, unabhängig davon ob männlich oder weiblich, viel Zeit verbringen. Dies ist die Zeit ihrer persönlichen Entwicklung und sollte daher auch dafür genutzt werden den Jugendlichen bestimmte Werte und Verhaltensmuster zu vermitteln, die sie für ihr ganzes Leben beibehalten können. Alle in einem Stall sollten sich bewusst machen, dass man Jugendlichen immer eine besondere Verantwortung gegenüber hat und diese auch wahrgenommen werden muss. Jungs müssen genauso in den Pferdestall integriert werden wie Mädchen- und es ist auch die Aufgabe eines einfachen Freizeitreiters dafür zu sorgen, dass sich jeder im Stall wohl fühlt und ein gutes Gemeinschaftsklima herrscht.

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